Kundgebung am 27.06.2011.

Die Stadt Delmenhorst (Niedersachsen) plante für den 31. Mai die Abschiebung eines 28jährigen Ashkali aus dem Kosovo nach Serbien – diese Abschiebung konnte dank des massiven Gegenprotests nicht durchgeführt werden. Eine Mahnwache, hunderte Flugblätter, ein eilig initiiertes Unterstützer_innenbündnis aus vielen Einzelpersonen, Verbänden, Parteien und Organisationen, aus Delmenhorst, Bremen, Oldenburg und der gesamten Region, anwaltliches Engagement und – letztlich – eine entschlossene Blockade von 100 Menschen am Termin der Abschiebung, verhinderten die Durchführung. Bereits am Folgetag betonte ein Sprecher der Polizei Delmenhorst, die Abschiebung sei „lediglich aufgeschoben“. Fitim ist also auch weiterhin akut von einer Abschiebung bedroht – und wir machen weiter!

Für den 27. Juni 2011 mobilisieren wir zu einer Kundgebung auf dem Rathaus- und Marktplatz in Delmenhorst. Im Kontext der Kundgebung sollen mehrere Hundert Unterschriften und ein offener Brief vieler Organisationen an Stadt und Verwaltung übergeben werden. Parallel tagen im Rathaus die Fraktionen – mit Redebeiträgen und Flugblättern werden wir auch die Vertreter_innen der Parteien informieren.

Kundgebung: Fitims Abschiebung verhindern!
Montag, 27.06.2011, 16:00 Uhr, Rathaus- und Marktplatz Delmenhorst.

Weitere Informationen:

Fitim M., unverheiratet und kinderlos, lebt zusammen mit seinen Eltern und elf Geschwistern seit 1993 in Delmenhorst, nachdem sie 1992 aus Istok (Kosovo) fliehen konnten.

Seither lebt er mit Aufenthaltsbefugnis (!) und anschließend mit Fiktionsbescheinigung in Niedersachsen. Trotz des mehrjährigen Schulbesuches in Delmenhorst, trotz einer attestierten 50%igen Behinderung, die ihn in vielen Lebenslagen einschränkt, und trotz der Tatsache, dass seine Familie in Deutschland lebt, ist ihm ein Aufenthalt verwehrt geblieben. Und das seit nunmehr 20 Jahren. Im Gegenteil: Nun droht die Ausländerbehörde, ihn um 4 Uhr morgens abzuholen und nach Serbien abzuschieben. Diesen Akt begründet die Ausländerbehörde in Delmenhorst offenbar damit, dass Fitim – obgleich in Deutschland sozialisiert – vor fünf Jahren straffällig geworden sei.

Aktuell sind bundesweit 10.000 Menschen von der Abschiebung nach „Ex-Jugoslawien“ bedroht. In ein Land, in dem Fitim als Ashakli ausgegrenzt, verfolgt und diskriminiert wird, wie es unzählige Berichte von Menschen-rechtsorganisationen belegen, abgeschoben werden.

Nach 20 Jahren soll Fitim, der wie seine Eltern im Status der Aufenthaltsbefugnis bzw. mit Fiktionsbescheinigung in Delmenhorst lebt, in die schiere Unsicherheit abgeschoben werden. Die Asylanträge der Familie wurden abgelehnt und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben blieb ihnen verwehrt. Die tägliche Angst vor der möglichen Abschiebung war stets fester Bestandteil ihres Alltags in Deutschland.

Wir, viele Organisationen, Verbände, Parteien und Einzelpersonen aus Delmenhorst, Bremen, Oldenburg und der gesamten Region, möchten uns gegen die drohende Abschiebung wehren und die gängige rassistische Abschiebepraxis grundlegend kritisieren. Jeder Mensch soll dort leben, wo er oder sie es möchte, unabhängig der restriktiv-repressionistischen Flüchtlingspolitik der Regierung.

Kein Mensch ist illegal!


1 Antwort auf „Kundgebung am 27.06.2011.“


  1. 1 Kundgebung in Delmenhorst am 27.06.2011 « end of road Pingback am 21. Juni 2011 um 16:10 Uhr
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